Von der Zukunft und Schönen Aussichten - Tag 3

Literatur kann mehr als die Wissenschaft wenn es um Zukunftsentwürfe geht. Ein Blick in die Zukunft ist dabei oft auch ein Blick in die Vergangenheit. Ob uns dort schöne Aussichten erwarten, darüber haben sich Emma Braslavsky, Joshua Groß, Kai Hirdt und Lucian Hölscher am Abend gemeinsam mit Günter Kaindlstorfer in den Kavernen1595 unterhalten. 

Der Freitag startete mit einer Lesung für Kinder von Julya Rabinowich im Literaturhaus. Sie begeisterte die jungen ZuhörerInnen mit ihrem ersten Jugendbuch „Dazwischen: Ich“.

Einen düsteren Ausblick in eine unbestimmte Zukunft entwirft Cordula Simon in Ihrem Roman „Wie man schlafen soll“, aus dem sie am Freitagmittag in der Robert Jungk Bibliothek für Zukunftsfragen las. Moderiert von Stefan Wally diskutierte sie im Anschluss über diese dystopischen Entwürfe mit Elmar Schüll von der Fachhochschule Salzburg, der sich selbst sozialwissenschaftlich mit der Zukunft auseinandersetzt.

Am Nachmittag präsentierten zwei junge AutorInnen ihre Debütromane in der Blauen Gans. Alina Herbing hat vier Jahre lang an ihrer unromantischen Milieustudie über das Landleben „Niemand ist bei den Kälbern“ gearbeitet, in der sie sprachlich souverän in die Gedankenwelt ihrer Protagonistin eintaucht und mit einer direkten und handfesten Erzählweise auf die Suche nach einem besseren Leben geht. Luise Maier erzählt in „Dass wir uns haben“ mit einer verdichteten und knappen Sprache eine ungewöhnliche Familiengeschichte aus der Sicht eines jungen Mädchens. Dabei zeigt sie mit szenenhaften Fragmenten und Momentaufnahmen die ambivalenten Beziehungen der Familienmitglieder.

Studierende des Thomas Bernhard Institutes gingen mit einer herausragenden Premiere im Furtwänglerpark auf die Suche nach der idealen Gesellschaftsordnung. Mit fantastischen Kostümen erzählten sie von der Insel Utopia, auf der es prächtige Städte, kein Privateigentum, keine Faulenzer und nur Chancengleichheit gibt. Die Utopien des Thomus Morus stammen aus dem 16. Jahrhundert, sind aber heute mehr denn je aktuell.  

Der Freitagabend startete mit einer spannenden Auseinandersetzung mit dem Thema „Schöne Aussichten“ in den Kavernen1595. Günter Kaindlstorfer führte das Gespräch mit vier erfrischend unterschiedlichen Persönlichkeiten mit ihren ganz eigenen Herangehensweisen und Gedanken. Die Autorin Emma Braslavsky erschafft in ihrem Roman „Leben ist keine Art mit einem Tier umzugehen“ eine amüsante Dystopie in einer unbestimmten Zukunft, die durch ihre eigene Verzweiflung oft schreiend komisch daherkommt. Eine gänzlich andere Auseinandersetzung mit der Zukunft praktiziert der Autor Kai Hirdt, der seit 2015 Teil des Perry-Rhodan Autorenteams ist und das Perry- und das Neoversum stetig erweitert. An ein Genre will sich der junge Autor Joshua Groß nicht zwingend halten und versucht in seinen Werken den Raum für die Zukunft wieder zu öffnen. Der historische Zukunftsforscher Lucian Hölscher sieht ebendiese Auseinandersetzung speziell in der Erkundung der eigenen Bedeutung.

Zum Finale des Abends las Arnold Stadler aus seinem Roman „Rauschzeit“, in dem er von einem Paar erzählt, dessen Liebe bereits in die Jahre gekommen ist. Der Wechsel der Perspektiven der beiden Protagonisten soll dabei die Erfahrung der Gleichzeitigkeit und das Nebeneinander in der Gesellschaft beschreiben. Mit wunderschön melancholischen Melodien begleitete die Band Get Well Soon (Konstantin Gropper, Verena Gropper und Marcus Wüst) die Lesung. Die Texte der eigens komponierten Lieder stammen aus Stadlers Roman „Der Tod und ich, wir zwei“.  

 

Foto: Joshua Groß, Christa Gürtler, Lucian Hölscher, Günter Kaindlstorfer, Kai Hirdt, Emma Braslavsky, Jochen Jung, Klaus Seufer-Wasserthal (c) Erika Mayer

 

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