BÜCHER GEGEN VORURTEILE


Am zweiten Tag des Literaturfestes Salzburg stand das Anders-Sein und die persönlichen Um- und Aufbrüche im Zentrum der Veranstaltungen.


Am Donnerstagvormittag folgten rund 150 Kinder im Literaturhaus Salzburg gebannt den Erzählungen der Schriftstellerin Renate Welsh, die zum Anders-Sein und zu einem gemeinschaftlichen Umgang aufforderte: "Bücher können etwas gegen Vorurteile tun – und ich schreibe Kinderbücher, weil man damit gar nicht früh genug anfangen kann."

Der Mittag und der Nachmittag waren den persönlichen Aufbrüchen in ein selbstbestimmtes Leben gewidmet: Moderiert von Barbara Frischmuth las Katharina Winkler im 220 Grad Nonntal aus ihrem gefeierten Debüt "Blauschmuck", in dem sie von den titelgebenden Folgen von Gewalt in einer sehr archaischen Gesellschaft erzählt. "Sich nicht fügen wird als Symptom einer mentalen Krankheit gesehen“, berichtet die junge Schriftstellerin Deborah Feldman über ihr Leben in der ultraorthodoxen jüdischen Satmarer-Gemeinde in New York. 2009 gelang es ihr, aus diesem geschlossenen Milieu mit rigiden Regeln und Strukturen auszubrechen, mittlerweile führt sie ein freies, selbstbestimmtes Leben in Berlin. Sehr offen, selbstsicher und präzise berichtet sie im Gespräch mit Ö1-Redakteurin Renata Schmidtkunz über ihr früheres "Leben in einer Blase“, die zahlrei chen Zuhörer in der TriBühne Lehen folgten ihren Lebensschilderungen mit konzentriertem Interesse.

Mehr und mehr Veranstaltungsformate, die Text und Musik verbinden, prägen das Programm des Literaturfests, eines dieser glücklichen Zusammentreffen ergab sich im Jazzit unter dem Titel „von satzsprüngen und klangkatastrophen“. Bachmann-Preisträger Ferdinand Schmalz schwelgte mit dem Theatermonolog „schlammland.gewalt“ und einer Fortschreibung seines Bachmann-Preis Textes in sprachgewandtem Wortwitz, die Pianistin Clara Frühstück antwortete der humorvollen Prosa mit Stücken aus der klassischen Klavierliteratur. Dieses Zusammenspiel changiert in allen Farben zwischen feinem Witz und derber Zeichnung und erreichte kommödiantische Gipfel, wenn etwa die Apokalypse einer österreichischen Bierzeltgesellschaft mit Schumanns „Träumerei“ konterkariert wurde.

Foto: Deborah Feldman © LFS/Erika Mayer

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