BERT BRECHT und HELENE WEIGEL


Stefanie Reinsperger und Nico Holonics geben Einblicke in die ebenso leidenschaftliche wie konfliktreiche Beziehung eines der berühmtesten deutschsprachigen Theaterpaare: Sie lesen aus „ich lerne: gläser + tassen spülen“, dem Briefwechsel von Bert Brecht und der Schauspielerin Helene Weigel aus den Jahren 1923–1956, ausgewählt von Bettina Hering (Leitung Schauspiel, Salzburger Festspiele). Die Briefe erzählen von bewegten Zeiten, selten an einem Ort lebend, zuerst zwischen Berlin und München und schließlich im Exil. Nach dem Zweiten Weltkrieg sollte Salzburg eine Station Brechts werden.


1923 lernte Bert Brecht die Schauspielerin Helene Weigel kennen und heiratete sie schließlich nach seiner Scheidung 1929. Viele der Frauengestalten im Werk des Dichters hat Weigel verkörpert und geprägt, ihre enge familiäre und berufliche Verbindung konfrontierte sie aber auch mit immer neuen Liebschaften und Liebeskatastrophen ihres Ehemannes.

Etwa 1944, Santa Monica
Lieber Bert,
jetzt muß ich Dir schon einen Brief schreiben, weil es mir selber
närrisch vorkommt, daß ich nein sage, wenn Du mit mir schlafen
willst, und außerdem erstaunt mich Dein sofort auftretendes
neubelebtes Interesse, wieso, nur wegen dem Nein? Ich bekomme
meine Gedanken nicht in eine richtige Ordnung, es ist auch nicht
geordnet, was in meinem Kopf vorgeht, öfters schon kamst Du
auf einen Punkt zurück, der so aussieht, Du kannst und willst nicht
eine deklarierte mit Stempel versehene Ehe führen, das war sie
auch nie und ich hab sie nie verlangt, was ich Dir neulich sagen
wollte, war, daß ich sie nicht für mich verlange, weil ich annahm,
daß sie nicht geht für Dich, aber ich finde auf einmal, daß Du solche
Ansprüche einer andern Frau einräumst. Deine Antwort darauf ist,
daß Du völlig verschwindest, schweigend drei Wochen eine völlige Änderung einführst, das ist schon ein Fußtritt von besonderer Heftigkeit. Ich bin nicht unempfindlich, wenn Du Dein Leben so ändern willst, kann ich es nicht

Aus: Bertolt Brecht – Helene Weigel: ich lerne: gläser + tassen spülen.
Briefe 1923–56,
hg. von Erdmut Wizisla, © Suhrkamp Verlag 2012


Brecht und Salzburg
Bert Brecht, der nach der Aberkennung der deutschen Staatsbürgerschaft 1935 durch die Nationalsozialisten staatenlos war, knüpfte nach dem Zweiten Weltkrieg Kontakt zum Komponisten Gottfried von Einem. Als Direktoriumsmitglied der Salzburger Festspiele strebte Einem eine künstlerische Zusammenarbeit mit Brecht an, der einen „Gegen-Jedermann“ für Salzburg schreiben sollte. Brecht wiederum lebte bereits seit 1948 in Ostberlin, wollte aber einen österreichischen Pass, um international tätig sein zu können: „Im Augenblick denke ich auch daran, mich im Österreichischen, in der Salzburger Gegend niederzulassen, um einen Punkt zu haben, zu dem man zurückkehren (und den man verlassen) kann.“

Auf Empfehlung Einems wurden Bert Brecht und Helene Weigel im Frühjahr 1950 österreichischer Staatsbürger – was im bürgerlichen Österreich in der Atmosphäre des Kalten Krieges eine Welle der Entrüstung gegen den sogenannten „Berliner Salonkommunisten“ auslöste, die schließlich in einem landesweiten Brecht-Boykott mündete.
Maßgebliche Initiatoren waren die Publizisten Hans Weigel und Friedrich Torberg, wobei es Torberg weniger um Brechts literarisches Talent, sondern um die kommunistische Propaganda ging: „Ich bin nicht gegen Brecht. Ich bin gegen die Brechtokokken.“ Und er habe „nichts dagegen, dass man Brecht spielen darf, ich bin nur dagegen, dass man ihn spielt“.  Erst in der Spielzeit 1962/63 wurde am Wiener Volkstheater unter der Regie von Gustav Manker erstmals wieder ein Stück von Bert Brecht in Österreich zur Aufführung gebracht.

Informationen zur Veranstaltung am SA, 26. Mai um 19.30 Uhr finde Sie hier
In Kooperation mit den Salzburger Festspielen/Schauspiel

 „Die erstmals komplett vorgelegte Korrespondenz Brecht/Weigel gleicht einer Rhapsodie: Anschwellend, zart, abschwellend, dräuend, aufgischtend, mal dröhnen Kommandos wie Pauken, mal wispern die Schlagzeugbesen, und mal streichelt der Violinbogen. Wir erleben das Wunder einer Lebensliebe ohne Lebenslüge.“
Die Zeit (Fritz J. Raddatz)

Foto © Michele Pauty